Im Gespräch mit Schulsenator Ties Rabe

Im Gespräch mit Schulsenator Ties Rabe

Schulsenator Ties Rabe war Ende November auf Einladung der SPD-Distrikte Osdorf, Lurup, Blankenese-Iserbrook-Nienstedten und Flottbek-Othmarschen zu Gast im Heidbarghof in Osdorf. Der Hamburger Senator für Schule und Berufsbildung informierte und diskutierte mit den Anwesenden über die Schulpolitik in Hamburg.

Nach einer Begrüßung durch Oliver Schmidt, den Distriktsvorsitzenden der SPD Osdorf, leitete Iris Tietjens, die schulpolitische Sprecherin der SPD-Bezirksfraktion in Altona, zum Thema des Abends über und moderierte im Weiteren die Diskussion.

Ties Rabe, selbst ehemaliger Lehrer, begann nach einer kurzen Vorstellung seiner Person mit einem Bericht über die Umbaumaßnahmen an den Hamburger Schulen. Zwar seien viele Schulen, die bereits oder zeitnahe saniert werden – gerade im Vergleich zu anderen Bundesländern – zumeist in einem passablen baulichen Zustand und funktionsfähig. In vielen Fällen sei es aber notwendig, mehr Räumlichkeiten zu schaffen. Daneben sei es auch ein Anliegen, veraltete Gebäude architektonisch auf einen zeitgemäßen Stand zu bringen, da dies auch maßgeblich zu einem angenehmen Lernklima beitrüge. Erstmals seit rund 40 Jahren würden darüber hinaus in der Hansestadt gänzlich neue Schulen entstehen. Diese würden einerseits gebraucht, da die Stadt stetig wächst und andererseits ergebe sich ein erhöhter Bedarf durch die in Hamburg untergebrachten Flüchtlinge. Der Senat habe vom Beginn die Position vertreten, dass man keinesfalls darauf setzen könne, dass ein Teil der Flüchtlinge das Land nach einigen Jahren wieder verließe. Zu einer gelungenen Integration gehöre auch, den Kindern geflüchteter Familien das bedingungslose Angebot eine Bildung und einer gezielten Förderung im Sprachunterricht zu machen.

Der Senator berichtete außerdem über eine Reform der Lehrer-Ausbildung. Künftig soll es in Hamburg einen eigenständigen Studiengang für das Lehramt an Grundschulen geben. Das bisherige Kombi-Studium für Grund-, Haupt- und Realschulen entfällt, da Haupt- und Realschulen in Hamburg durch die Stadtteilschulen ersetzt wurden. Auch künftig soll das Gymnasiallehramtsstudium sowohl Pädagogen für Gymnasien als auch für die Stadtteilschule ausbilden. Große Veränderungen wird es künftig insbesondere für die Grundschullehrer geben. Die angehenden Pädagogen müssen in Zukunft drei (statt bisher zwei) Fächer studieren, wobei Deutsch und Mathematik Pflicht sind. Der Senat sei nämlich davon überzeugt, dass es sich bei beiden Fächern um Schlüsselqualifikationen handelt, die unbedingt erforderlich sind für ein erfolgreiches Berufsleben.

Ein weiteres Thema, das die Gäste bewegte, war die Frage, wie Bildung künftig der zunehmenden Digitalisierung Rechnung tragen kann. Senator Ties Rabe erläuterte, dass es – anders als man vermuten möchte – es heute keinesfalls selbstverständlich ist, dass Schüler per se den Umgang mit digitalen Medien beherrschen. Zwar sei die weit überwiegende Anzahl im Besitz eines Computers, Tablets oder Smartphone oder habe zuhause Zugang zu einem solchen, und könne ein solches Gerät auch grundsätzlich bedienen, gleichwohl fehle bei vielen Schülern das Wissen, wie das Internet für Recherche und Lernen richtig einzusetzen ist. Dieses Wissen sei heute unerlässlich für eine jede Berufskarriere. Auch müsse den Schülern einerseits gezeigt werden, wie sie – in Zeiten von Fake News – vertrauenswürdige Quellen von Propaganda unterscheiden können und andererseits, wie man verantwortungsvoll mit Social Media-Angeboten (facebook, twitter und co) umgeht. Hierzu sei einerseits die Weiterbildung von Lehrern nötig, damit  diese die notwendige Kompetenz haben, um in ihrem Unterricht digitale Medien zu verwenden, andererseits werde darüber nachgedacht, dass künftig auch die Smartphones und Tablets der Schüler im Unterricht zum Einsatz kommen, um das konventionelle Arbeitsblatt sukzessive ersetzen. Hierbei müsse gerade aus sozialdemokratischer Sicht freilich sichergestellt sein, dass diejenigen Schüler, deren Eltern kein eigenes Endgerät bezahlen können, eine entsprechende finanzielle Bezuschussung erhalten damit das digitale Know-How keine Frage des Geldbeutels bleibt.

Die angeregte und produktive Diskussion ging rund eine Stunde länger als geplant – man war sich einig; bei einem so wichtigen Thema hätte man auch noch länger Gedanken austauschen können.

admin • 1. Dezember 2017

Inhalt rechte Spalte